Die Willms’schen und Haack’schen Weiher im Soonwald TEIL I

Die Willms’schen und Haack’schen Weiher im Soonwald | TEIL I

von Hansjochen Staege

Als ich ein paar Jahre später 1970 selber zum Forstamtsleiter In Entenpfuhl berufen wurde, kam in meinem ersten Jahr als Forstamtsleiter der Rechnungshof, um den ganzen Betrieb zu überprüfen. Der Leiter der Rechnungshofgruppe war bereits über die „unerhörten Machenschaften“ im Forstamt Entenpfuhl, Forstrevier Winterbach, von einem missliebigen Zeitgenossen informiert worden. Herr Willms und ich hatten mittlerweile viele schöne neue Bäume und Sträucher und andere Gewächse um die mit Wasser randvollen Weiher gesetzt. Das zeigten wir dem Vertreter des Rechnungshofes. Die Folge war, dass er, als Naturfreund, genauso begeistert war wie wir. Und da das Ganze für die Staatsforstverwaltung kostenlos gewesen war, freute er sich mit uns und meinte nur, wenn wir noch einmal einen Weiher bauen wollten, sollten wir doch besser rechtzeitig mit der Forst- und Wasserbehörde zusammenarbeiten. Das versprachen wir „hoch und heilig“. Auch die Naturschützer haben damals unsere Aktivitäten kritisch beobachtet. Aber nachdem viele Studenten der Landespflege ihre Fach-, Diplom- und Doktor-Arbeiten über die durch unseren Weiher und Tümpel neu entstandene reichhaltige Flora und Fauna gemacht hatten, besteht heute, dreißig Jahren später, auch beim Naturschutz, eine positive Einstellung gegenüber unseren Wasserstellen.

1976 war ein sehr heißes trockenes Jahr und übrigens auch ein hervorragendes Weinjahr. In der Sommerhitze brach in der Nähe der Ellerspring, nicht weit entfernt von der Sandkaul Ellerspring, im Revier Winterbach in einer Fichtenkultur ein Waldbrand aus. Die Feuerwehr aus den umliegenden Dörfern war schnell da. Doch wo war der zuständige Förster Willms? Ich fuhr mit meinem R4 alle Hauptwege von Winterbach ab, um irgendwo das Dienstfahrzeug von Herrn Willms, eine alte Ente Citroën, zu erspähen. Am Glashütter Weg, neben dem neuen Weiher, fand ich sie endlich. Ich lief zur Wasserstelle, die durch die große Trockenheit fast leer war. Mitten drin, an der tiefsten Stelle, wo noch etwas Wasser im matschigen Schlamm war, sah ich den Herrn „Oberförster“ Willms „stilecht“ bedeckt mit seiner grünen Badehose, der die verzweifelt im Sumpf umherspringenden und nach Luft schnappenden Forellen in eine Wanne mit Wasser bugsierte. Ich rief ihm zu, dass in der Kultur an der Lichtung Feuer ausgebrochen war. So wie er war, mit Lehm beschmutzt, in grüner Badehose sprang er in seine -übrigens auch grüne- Ente und ab ging’s. An der Feuerstelle nahm er den verdutzten Feuerwehrleuten den spritzenden Schlauch aus der Hand und ging halb nackt direkt an das Feuer. Die Feuerwehrleute selbst hatten weit weg vom Feuer gestanden. Es dauerte nicht lang bis es zischte und bald war das Feuer aus. Förster Willms kam jetzt ganz kohlrabenschwarz aus der Deckung. An einigen Stellen seines Oberkörpers sah man die verrußte Haut und dazu die völlig schwarzen nackten Beine. Und auch die ehemals schöne grüne Badehose sah ziemlich mitgenommen aus. Aber die Arbeit war getan. Das Problem mit dem trocken gelaufenen Weiher und den leidenden Fischen war jedoch noch nicht gelöst. Das stand uns noch bevor.

 

Der Weiher wurde damals offiziell als „Löschteich“ gebaut. Eine Genehmigung bei der Wasserwirtschaft wurde nicht beantragt, denn wir hatten ja den schriftlichen Beleg, dass hier schon in früheren Jahrhunderten ein Weiher gewesen sein muss. Der Beweis findet sich in dem Gedicht »Herzog Reichard«, von Otto von Vacano (*1827 – ✝︎1897). Die bekannte Romanze des Heimatdichters spielte an der Wildburg:

»Abend ist´s, der Glockenton
In dem fernen Dorf verklungen
Und der Drossel Lied im Soon,
Lind verhallend ausgesungen.
Aus des Tales Grund hervor,
Aus den Bächen, aus dem Weiher
Breiten sich wie lichter Flor
Weit und weiter Nebelschleier… «

Auszug aus »Herzog Reichard«
Romanze

Ein Weiher war also auch früher schon da. Wir haben ihn nur wiederhergestellt.

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