Der Köhler und der Teufel zwei, mit langer Headline

In alter Zeit war der Soonwald verrufen, und wer nicht unbedingt die einsamen Wege nehmen musste, wählte lieber einen Umweg, denn im Soonwald trieb der Teufel in höchsteigener Person sein Unwesen.

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In alter Zeit war der Soonwald verrufen, und wer nicht unbedingt die einsamen Wege nehmen musste, wählte lieber einen Umweg, denn im Soonwald trieb der Teufel in höchsteigener Person sein Unwesen. Er fügte zwar niemandem ernsthaft Böses zu, doch erzählte man sich, dass er Qualm und Feuer speiend plötzlich auftauchte.

Lange Zeit fürchteten sich die Menschen daher vor dem dichten Wald. Nur die Mutigsten trauten sich hindurch und nur die Köhler lebten dort.

Eines Tages kam der Teufel zur entlegenen Hütte eines Köhlers. Es dämmerte schon. Der Köhler arbeitete noch an seinem Meiler, als der Fremde ihn von hinten ansprach. Der Köhler blickte sich um und erschrak, als er den Pferdefuß sah. Ihm war klar, das konnte nur der Teufel sein.

Der Teufel gab sich freundlich und meinte zum Köhler, dass er doch einen recht schweren Beruf habe, der sicher für dicke Schwielen an den Händen sorge. „Schon wahr“, meinte der Köhler, „mit meinen Händen kann ich schon ganz kräftige Ohrfeigen verteilen.“

Da lachte der Teufel. Was das anbeträfe, da könne er sicher auch mithalten. „Auch meine Hände sind nicht gerade aus Samt und Seide.“

Man kam zu der Vereinbarung, es mit einer Probe zu versuchen. Der Köhler war aber nur unter einer Bedingung zu dem Versuch bereit. Er forderte, dass dem Geschlagenen die Augen verbunden werden müssten, damit er nichts sehe und auch schön stillhalte. Und der Teufel sollte zuerst zuschlagen. Siegessicher stimmte der Teufel dem zu.

Der Köhler bekam zuerst seine Ohrfeige mit verbundenen Augen. Die saß, und der Köhler schrie auf vor Schmerzen. Er setzte die Binde ab und zollte dem Teufel seinen Respekt für den Mordsschlag.

Dann band er dem Teufel die Binde vor die Augen und sorgte dafür, dass der Teufel nichts mehr sehen konnte. Anschließend ergriff er seinen mächtigen Spalthammer und schlug ihm mit dem Kopfstück kräftig hinter die Ohren.

Der Teufel schrie auf, stürzte um und war völlig von Sinnen. Es dauerte eine ganze Weile, bis er wieder etwas zu sich kam. Er torkelte, gab die Wette verloren und verschwand so schnell er konnte in den Wald. Er wurde seitdem im Soonwald nicht mehr gesehen.

Als der Köhler am nächsten Morgen sein Tagewerk beginnen wollte und zum Spalthammer griff, war dieser aus purem Gold. Fortan hatte er keine Sorgen mehr.

Karl Ewald Kirschner * 24.08.1951 - + 13.12.2019
Gleich und gleich gesellt sich gern, sprach der Teufel zum Köhler.

Altes Sprichwort