Der Weg zurück
Proviant bekamen sie mit und zum Abschied schenkte Lukus den Brüdern eine herrlich geschwungene Platte aus reinem Gold in der Größe einer Handfläche. Sie zeigte den Kopf eines Ebers, seltsam verwoben mit einer Darstellung des freien, frohen Gesichts der Köhlerleute. Auf der Rückseite der Platte sah man das Zeichen, mit dem die Waldleute alle ihre Waffen und Schilde schmückten, drei ineinander verschlungene Kreuze. Selbst der rauhe Sax zerdrückte eine Träne im Auge. Dann begleiteten sie Mara und die anderen durch seltsame Korridore im Unterholz, manchmal so dunkel, dass sie meinten, unter der Erde zu gehen.

Schließlich erschien im Licht der Fackeln ein weißer Stein. In den Ritzen zwischen dem Stein und dem dicht ihn umgebenden Gebüsch leuchtete die helle Sonne wie eine Verheißung. Als die Brüder mit all ihrer neu gewonnenen Manneskraft den Stein beiseitegeschoben hatten, fanden sie sich in einem Gewirr von efeubewachsenen Wällen und Steinen wieder. Schon bald erkannten sie die heimische Alteburg – gar nicht weit von Seesbach entfernt. Unter Tränen nahmen sie Abschied von ihren vertrauten schwarzen Begleitern, die so schnell im Unterholz verschwanden, als wären sie nie da gewesen. Jetzt brauchten Simon und Jacob nur noch den Weg ins Tal anzutreten, zurück nach Seesbach.


Wieder zu Hause
Der Rest ist schnell erzählt: das Staunen, die riesige Freude der Eltern, der ebenfalls inzwischen herangewachsenen Altersgenossen, aller Seesbacher beim Anblick der Totgeglaubten in ihrem seltsamen Kostüm, all das versteht sich von selbst.

Wieder zu Hause
Der Rest ist schnell erzählt: das Staunen, die riesige Freude der Eltern, der ebenfalls inzwischen herangewachsenen Altersgenossen, aller Seesbacher beim Anblick der Totgeglaubten in ihrem seltsamen Kostüm, all das versteht sich von selbst. Dann begannen Simon und Jacob zu erzählen, von einer fernen Welt. Mancher hielt es für geflunkert und einige meinten, dass hinter all dem vielleicht der Franzose steckte, der schon wieder seine Truppen ins Land entsandt habe. Aber nach und nach konnten sie sich verständlich machen und erklärten, wie gut sie aufgenommen worden waren von den Waldleuten und wie schön Mara sei und dass sie nachkommen würde, am Tag nach der Sommersonnenwende, wenn die Feuer noch schwelten, efeubekränzt, braun und rot und sehnig, zur christlichen Taufe und zur Hochzeit in der Semendiskapelle. Da meinten die Spötter, dass die beiden Jungen sich wohl irgendwo Richtung Bad Kreuznach zu einer Horde von Säufern und Köhlern verirrt haben mochten, wie man sie manchmal im Wald aufgespürt werden, und dort dem Branntewein und einem zweifelhaften Mädchen verfallen waren. Die Eltern aber nahmen die Reden und Versprechungen ihrer Kinder ernst, zumal das goldene Unterpfand vom Viehhändler, vom Lehrer und vom Pfarrer untersucht und für echtes Gold erkannt worden war. Die Rübenichs waren nun auf einmal sehr reiche Leute. Und so wurde für die große Hochzeit im Sommer gerüstet.

Ein gebrochenes Versprechen
Am vorhergesagten Tag nach der Sommersonnenwende war alles bereit und das ganze Dorf in freudiger Erwartung der schönen Mara. Simon, Jacob, die Eltern, Bruder Medard und viele Neugierige warteten Stunde um Stunde, aber vergeblich. Stattdessen kam vom Soonwald her an diesem Tage ein schweres Unwetter mit schwarzen Wolken, Donner und Blitz und einem Sturzregen, wie es die Seesbacher nur selten erlebt hatten. Allein Simon gab die Hoffnung nicht auf. Noch wochenlang stand er Tag für Tag im Hochzeitergewand an der Strut, zum Wald hin, und wartete auf sein Mädchen. Danach begann er, manchmal in Begleitung von Jacob, den Wald zu durchstreifen auf der Suche nach dem Weg zu den Schwarzen. Aber sie fanden den Zugang zur Lichtung nicht mehr. Der Eingang in der Nähe der Wildburg war zum Einsturz gebracht worden; wohl von schwarzer Hand. Simons Herz war für immer gebrochen.


