Der Köhler und der Teufel

In alter Zeit galt der Soonwald als gefährlich und war verrufen. Wer nicht unbedingt einen der wenigen dunklen Wege nehmen musste, wählte lieber einen weiten Umweg durch die umliegenden Dörfer. Es ging das Gerede, dass selbst der Teufel in höchsteigener Person hier sein Unwesen trieb. Niemand wusste genau, was er Böses im Schilde führte, doch erzählte man sich, dass er Qualm und Feuer speiend unverhofft auftauchen könnte. Lange Zeit fürchteten sich die Menschen daher vor dem dichten Wald. Nur die Mutigsten trauten sich hindurch. Allein die Köhler waren frei von Angst. Sie lebten im Wald und galten als recht sonderbare Gesellen.

Gleich und gleich gesellt sich gern, sprach der Teufel zum Köhler.

Altes Sprichwort

Eines Abends kam der Teufel zur entlegenen Hütte eines der Kohlemacher. Es dämmerte schon und der schwarze Mann arbeitete noch im weißen Rauch seines Meilers. Auf einmal sprach der Fremde ihn von hinten an. Erschrocken drehte sich der Köhler um und entdeckte mit Grauen den Pferdefuß. Ihm war sofort klar, das konnte nur der Teufel sein. Jetzt drohte Schlimmes. Doch der Leibhaftige gab sich freundlich und meinte zum Köhler, dass er doch einen recht schweren Beruf habe, der sicher für dicke Schwielen an den Händen sorge. Schon wahr, meinte der Köhler, mit seinen Händen könne er schon ganz kräftige Ohrfeigen verteilen. Da lachte der Teufel, was das anbeträfe, da könne er sicher mithalten. „Auch meine Hände sind nicht gerade aus Samt und Seide.“ Das klang für den Köhler nach einer Herausforderung, die geklärt werden musste. Das ungleiche Paar kam zu der Vereinbarung, es mit einer Probe zu versuchen.

Der Köhler wusste, jetzt half ihm nur eine List. Er willigte ein, aber nur unter der Bedingung, dass dem Geschlagenen die Augen verbunden werden müssten, damit er nichts sehe und auch schön stillhalte. Das leuchtete dem Teufel ein. Siegessicher stimmte er dem zu. Er wollte zuerst zuschlagen. So bekam der Köhler seine Ohrfeige mit verbundenen Augen. Die saß, und der Köhler schrie auf vor Schmerzen. Er setzte die Binde ab und zollte dem Teufel seinen Respekt für den „Mords“-Schlag. Der schwarze Mann zeigte sich eingeschüchtert und der Leibhaftige war geschmeichelt. Zitternd band der Köhler dem unheimlichen Gesellen die Binde vor die Augen und sorgte dafür, dass er wirklich nichts mehr sehen konnte. Dann ergriff er seinen mächtigen Spalthammer, nahm Schwung und schlug ihm kräftig hinter die Ohren. Der Teufel schrie auf, hielt sich den blutenden Kopf, stürzte um und war völlig von Sinnen.

Es dauerte eine ganze Weile, bis er wieder zu sich kam. Er torkelte, gab die Wette verloren und verschwand so schnell er konnte im Dickicht. Als der Köhler am nächsten Morgen sein Tagewerk beginnen wollte und zum Spalthammer griff, war dieser aus purem Gold. Fortan hatte er keine Sorgen mehr. Und der Teufel ward nie mehr im Soonwald gesehen.