Was vielleicht dahinter steckt …
Der Wald ist voller Leben. Abermillionen Arten von Tieren, Pflanzen und Pilzen sind hier zu Hause. An Menschen denkt man da zunächst nicht, es sei denn an indigene Völker wie die Pygmäen, Einsiedler oder moderne Aussteiger. Vertrauter sind uns Waldbewohner aus Märchen, wie die sieben Zwerge, Rübezahl, die Waldhexe aus Jorinde und Joringel und die Hexe aus Hänsel und Gretel.
Doch es gab eine Zeit, da lebten viele Menschen tief im Soonwald, nicht in Gruppen, sondern ganz allein bei harter Arbeit. Das waren die Köhler. Jahrhundertelang war der Bedarf an Holzkohle für die Eisen- und Glashütten immens und die zahllosen Öfen gierig nach „Futter“.

Ständig mussten neue Bäume geschlagen, Meiler gebaut und Holzkohle hergestellt werden, bis der Soonwald fast komplett entwaldet war. Für diese gnadenlose Arbeit waren die Köhler zuständig. An sie denkt heute fast niemand mehr. Nur ein Beispiel: im 18. Jahrhundert arbeiteten allein für die Rheinböller Hütte, auch „Utschenhütt genannt, sechzig Köhler im Soonwald., genauso viele wie Hüttenarbeiter vor Ort. *Sie lebten vom Frühjahr bis zum Herbst in primitiven Unterständen.
War das Feuer einmal entfacht, mussten die Meiler Tag und Nacht beobachtet werden, damit sie nicht in Flammen aufgingen, anstatt unter Sauerstoffmangel zu schwelen. Da im Wald, ansonsten nur Wilddiebe, Räuber und anderes Gesindel unterwegs war, war man auch den Köhlern gegenüber misstrauisch. Dazu kam noch die unheimliche rußschwarze Erscheinung. So erzählte man sich gern allerlei seltsame Geschichten über die geheimnisvollen Kohlemacher. Unsere Sage zeigt jedoch ein anderes Bild. Sie schildert einen Köhler, der brav seiner Arbeit nachgeht und schlau ist. Er nimmt es sogar mit dem Teufel auf und schafft es, ihn zu vertreiben. Der Teufel ist der Widersacher, den es zu bezwingen gilt, dann wird man fürstlich belohnt; in diesem Falle mit Gold. Solche Geschichten sind typisch für die Zeit nach der Christianisierung der Soonwaldregion im frühen Mittelalter. Manche der uralten Sagen bekamen lehrreiche christliche Inhalte. Anstatt von vielen keltischen Göttern war nun immer wieder vom Teufel die Rede und sündige Bösewichte bekamen ihre verdiente Strafe.

Expedition in die Vergangenheit
Auch mir wurde irgendwann klar, wie viele Köhler und wie viele Meilerplätze es im Soonwald gegeben haben musste. Von da an habe ich nach Spuren Ausschau gehalten.

Und tatsächlich fand ich eines Tages einen alten Meilerplatz. Es war bei einem meiner bevorzugten Wanderziele zur geheimnisumwitterten Alteburg. Von dort aus führt ein steiler, steiniger Abstieg direkt zum sogenannten „Rennweg“, ein historischer, schnurgerader Forstweg. Etwas links, am Fuße dieses Weges, fiel mein Blick auf eine flache, kreisförmige Bodenmulde.

Ich kniete nieder und kratzte das Gras aus der Erde. Sie war an dieser Stelle schwarz und ich fand nach weiterem Graben kleinere und größere Stücke von Holzkohle. Ich war von Stolz erfüllt über meine Entdeckung. Später war mein Blick besser geschult, und ich habe noch mehr Köhlerplätze gefunden.
(*Quelle: „Der Soonwald. Auf den Spuren des Jägers aus Kurpfalz“, Erich Bauer, DRW-Verlag Stuttgart, 1974.)
