Schinderhanneshöhle

Vom Glück, den Soonwald vor der Haustür zu haben


Insider-Tipps für Ausflüge der besonderen Art.

Der Soonwald gehört uns allen. Und er liegt vor der Haustür. Er kennt keine Öffnungszeiten und unerwünschten Viren kann man nirgendwo besser ausweichen als im Wald. So viel ist gewiss: man kommt reicher heraus, als man hinein gegangen ist. Garantiert!
Gehen wir also in den Soonwald. Jetzt, heute, morgen, immer wieder …

Jede unserer Soonwald-Touren ist ein Abenteuer für sich und ohne große Anstrengungen nachzuahmen. Wir von der Initiative Soonwald kennen die einmalige Schönheit unseres Heimatwaldes, die so oft im Verborgenen liegt. Wir bringen Sie hin!

Tipp Nummer Eins:


„Fake News von 1913: die Schinderhanneshöhle“

Geografische Lage: 49°51´16´´N 7°34´25,7´´O

Welcher Name kommt einem zuerst in den Sinn, wenn man an den Soonwald denkt? „Jäger aus Kurpfalz“, „Deutscher Michel“ oder „Schinderhannes“? Ziemlich sicher ist es der „Schinderhannes“. Und welche Sehenswürdigkeit fällt einem zuerst zum berühmten Räuberhauptmann ein? Es ist eindeutig die Schinderhanneshöhle. Der Hinweis auf diesen Schlupfwinkel der Bande fehlt auf kaum einer deutschen Freizeitkarte. Doch möchte man diese berühmte Stätte besuchen, wird es schwierig. Man fragt sich, möchten die Soonwälder ihre überregionale Sehenswürdigkeit ganz für sich behalten oder nehmen sie das verborgene Versteck nicht so ernst? Wie soll man es sich sonst erklären, dass keine Hinweisschilder dorthin führen – es sei denn man ist schon fast am Ziel.

Aus der Zeit gefallen

Solche Merkwürdigkeiten sind ganz typisch für diesen Wald. Seine touristische Aufarbeitung kann sich nicht mit anderen Wanderzielen vergleichen. In anderen Wäldern fehlt es an keiner Ecke an Infopunkten, Hinweisschildern, einem Kiosk oder einer Imbissbude. Doch solche Errungenschaften haben den Soonwald bisher weitgehend verschont. Manchmal scheint es so, als gebe es im Soonwald einen eigensinnigen Widerstand dagegen, sich allen Vermarktungs-Moden zu unterwerfen. Vielleicht ist aber auch nur einfach ein „Rückstand“ aus Mangel an Gästen und Geld. Wie auch immer, der Soonwald hat sich seinen unverwechselbaren Zauber bewahrt und manch ein Geheimnis wartet noch auf Entdeckung.

Ein rätselhafter Ort

Man mag es kaum glauben, aber so bekannt wie die Schinderhanneshöhle ist, so schwer ist sie zu finden. Doch hat man es mit unserer Wegbeschreibung (siehe unten) einmal geschafft, den Ort zu finden, erwarten den neugierigen Wanderer weitere Rätsel. Die berühmte Räuber-Höhle entpuppt sich als kleines unscheinbares Loch in einer hochaufragenden Felswand, in der kaum ein ausgewachsener Mensch Platz findet; geschweige denn eine ganze Räuber-Bande mitsamt ihrer Beute. Der Stollen führt zwar einige Meter tief in den Berg, doch könnte man ihn höchstens in tief gebückter Haltung erkunden. Die Vermutung liegt nahe, dass es sich gar nicht um einen verborgenen Verbrecher-Schlupfwinkel handelt, sondern vielmehr um einen Versuchsstollen, in dem vielleicht mal nach Schiefer, Erzen oder Metallen gesucht worden ist. Solche „Mutungsstollen“ finden sich im Soonwald einige. Doch wie konnte diese kleine Grotte so eine Berühmtheit erlangen?
Wahrscheinlich ist das dem charismatischen Hotelier Hermann Müller zu verdanken, der Anfang des letzten Jahrhunderts händeringend Ausflugsziele für sein Kurhaus „Waldfriede“ im nahen Seesbach suchte. Kurzum lobte er in der Hotelbroschüre den Mini-Stollen als „Schinderhanneshöhle“ aus. Dieser Hintergrund des Namens „Schinderhanneshöhle“ belegt eindrucksvoll, dass gut erfundene Geschichten oft langlebiger und erfolgreicher sind als die profane Wahrheit und die hartnäckige Anwesenheit des Vergangenen im Soonwald.

Ein Schinderhannes für jeden

Doch wer war eigentlich dieser Held so zahlreicher Phantasiegebilde? Ein deutscher Robin Hood oder ein gemeiner Mörder? Johannes Bückler, genannt „Schinderhannes“ verübte um 1800 herum, zur Zeit der französischen Besatzung, mehr als 200, teils schwere, Raubüberfälle. Im November 1803 vollstreckten die bei der Bevölkerung ungeliebten Franzosen in Mainz den Tod des Schinderhannes durch die Guillotine. Schinderhannes wurde nur 25 Jahre alt. Sein wildes Leben entwickelte sich zum perfekten Nährboden für viel Mythos und Verklärung. Die Geschichten sind von Mal zu Mal andere, jeder hat seinen eigenen Schinderhannes. Zahllose Gaststätten, Wanderwege, Schnäpse, Bier und Brot tragen bis heute seinen Namen. Doch die bekannteste der zweifelhaften Räuber-Attraktionen ist bis heute die sogenannte „Schinderhannes-Höhle“.
Wahrscheinlich ist das dem charismatischen Hotelier Hermann Müller zu verdanken, der Anfang des letzten Jahrhunderts händeringend Ausflugsziele für sein Kurhaus „Waldfriede“ im nahen Seesbach suchte. Kurzum lobte er in der Hotelbroschüre den Mini-Stollen als „Schinderhanneshöhle“ aus. Dieser Hintergrund des Namens „Schinderhanneshöhle“ belegt eindrucksvoll, dass gut erfundene Geschichten oft langlebiger und erfolgreicher sind als die profane Wahrheit und die hartnäckige Anwesenheit des Vergangenen im Soonwald.

Abenteuerspielplatz im Wald

Die Schinderhanneshöhle im verwilderten Hoxbachtal enttäuscht zwar in ihrer Größe, doch der Platz, an dem sich das angebliche Räuber-Versteck befindet, ist jeden Umweg wert. So klein der Stollen auch sein mag, er übt eine verborgene Anziehungskraft aus. Der Blick in die Dunkelheit weckt den uralten Wunsch tief ins Herz des Berges vorzudringen. Doch nur wenige wagen es wirklich. Ist es der niedrige enge Spalt, der abschreckt oder das Gefühl von taktloser Neugier vor der geheimen Zufluchtsstätte? Dafür gibt es jede Menge anderer Abenteuerangebote: eine steile Felswand zum Klettern, ein ungezähmter Bach mit großen Wackersteinen zum Auftürmen, eine verwunschene Blütenwiese, beliebter Äsungsplatz für Wild, jede Menge Unterholz und natürlich auch eine Feuerstelle. Waldromantik pur. Ein Ausflug zur Schinderhanneshöhle ist ein unschlagbares Familienprogramm für Kinder aller Altersklassen. Proviant, Trinkwasser, Feuerzeug, eine Taschenlampe – besser noch eine Stirnlampe zur Erkundung des Stollens – nicht vergessen! Hier ist auch der perfekte Ort, sich eine der zahlreichen Geschichten vom Schinderhannes zu erzählen. Auf die Wahrheit kommt es dabei nicht an … (Auch nachzulesen in dem empfehlenswerten Führer: „Auf den Spuren einer verborgenen Welt: Sagenhafter Soonwald“).
Wahrscheinlich ist das dem charismatischen Hotelier Hermann Müller zu verdanken, der Anfang des letzten Jahrhunderts händeringend Ausflugsziele für sein Kurhaus „Waldfriede“ im nahen Seesbach suchte. Kurzum lobte er in der Hotelbroschüre den Mini-Stollen als „Schinderhanneshöhle“ aus. Dieser Hintergrund des Namens „Schinderhanneshöhle“ belegt eindrucksvoll, dass gut erfundene Geschichten oft langlebiger und erfolgreicher sind als die profane Wahrheit und die hartnäckige Anwesenheit des Vergangenen im Soonwald.

So kommt man hin:

Vom Weinort Monzingen an der B 41 geht es auf der L 229 in Richtung Langenthal und weiter auf der K 17 zur Abzweigung Richtung Waldfriede. Nach gut einem Kilometer findet sich auf der rechten Seite das ehemalige Gasthaus „Hoxmühle“. Etwas oberhalb kann man am Straßenrand einen geeigneten Parkplatz suchen. Gut hundert Meter weiter rechts auf den Waldweg einbiegen, der nach 50 Metern über den Gaulsbach führt. An einem See vorbei kommt man nach etwa zwei Kilometern zur Schinderhanneshöhle.
Von Norden kommend, von der L 230, fährt man an der Wüstung Kallweiler in Richtung Waldfriede, Seesbach. Dann die erste Straße links abbiegen und nach gut 200 Metern wieder links auf die K 17 abbiegen. Der Straße gut zwei Kilometer lang folgen bis auf der linken Seite das ehemalige Gasthaus „Hoxmühle“ erscheint. Parkplatz suchen und links oberhalb der Gaststätte dem Waldweg, dem „Willigisweg“, bachaufwärts bis zur Schinderhanneshöhle folgen.

Wir sehen uns im Wald! Ihre Initiative Soonwald e.V.

Monika Kirschner