In dankbarer Erinnerung an Thomas Hauschild

Mitbegründer der Initiative Soonwald e.V. gestorben

Der Ethnologe Prof. Dr. Thomas Hauschild starb am 5. Mai 2026 im Alter von 70 Jahren. In Hamburg studierte er Völkerkunde, Volkskunde und Religionswissenschaft und wurde dort 1979 promoviert. Er habilitierte sich 1992 in Köln im Alter von nur 37 Jahren. Daraufhin berief ihn die Eberhard-Karls-Universität Tübingen zum Professor für Ethnologie. Von 2008 bis 2016 hatte er eine Professur an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg inne. Thomas Hauschild arbeitete vor allem zu Religion, Ritualen und Geschichte mit einem Themenschwerpunkt in Süditalien. Er galt als Experte für Machtverhältnisse und regionale Besonderheiten und meldete sich immer wieder in gesellschaftlichen Debatten unerschrocken zu Wort.

Thomas Hauschild im Soonwald
Im Winter 1991 zogen Thomas Hausschild und ich nach Waldfriede bei Seesbach. Dieser Standort etwa zwischen unseren beiden Arbeitsstätten, der WDR in Köln und die Universität Tübingen, wurde unsere gemeinsame Adresse. Als Neubürger waren wir entschlossen, uns in unserer Wahlheimat ehrenamtlich zu engagieren. So trafen wir uns von Anfang an mit Nachbarn und vor allem auch mit dem damaligen und noch heutigen Bürgermeister von Seesbach, Rainer Altmeier. Wir führten viele Gespräche und uns war schnell klar, dass wir in ein außergewöhnliches Waldgebiet gekommen waren; eine Region von Krisen geschüttelt.

Evakuierung und Winterstürme und Evakuierung
Bei unserer Ankunft war der Soonwald noch gezeichnet von den frischen Wunden der großen Orkane, „Vivian“ und „Wiebke“, die Ende Februar und Anfang März 1990 Europa heimsuchten. Allein im nahen Forstamt Entenpfuhl lagen eine halbe Million Festmeter Holz zersplittert am Boden.

Foto: Martin Stadtfeld
Foto: Martin Stadtfeld

Gleichzeitig veränderte sich Anfang der 1990er Jahre, mit dem Ende des Kalten Krieges und dem Mauerfall, die sicherheitspolitische Lage in Deutschland grundlegend. Das hatte gravierende Folgen auch für unsere neue Wahlheimat. Es mehrten sich die Gerüchte, dass der größte Arbeitgeber in unserer unmittelbaren Nachbarschaft, der Bundeswehrflugplatz Pferdsfeld, geschlossen werden sollte. Für diesen Flugplatz, zu unserer Verteidigung gen Osten umfangreich ausgebaut, hatten die Soonwälder die extremen Lärmpegel durch Phantom-Kampfflugzeuge ertragen und ab 1975 drei Dörfer aufgeben müssen. 

Foto: Heinz Dörr

Sie sind inzwischen zu Wüstungen geworden. Diese beiden regionalen Dramen überschatteten unsere Ankunft und bestimmten die ersten Monate in der neuen Heimat. Thomas Hauschild und ich waren zu dieser Zeit beruflich sehr engagiert. Das prägte auch unseren Blick auf die Probleme des Soonwaldes. Im Austausch mit neuen Freunden aus den umliegenden Dörfern entwickelte sich ab 1992 die Idee eines Neustarts.  Wir sagten uns: „Wo ein Ende ist auch ein Anfang“. Besonders Thomas Hauschild, der als Europaethnologe bei seiner Feldforschung in der Basilikata tief in die Themen der Regionalentwicklung eingedrungen war, konnte wichtige Impulse geben. So entstand der Plan eine Bürgergruppe zu gründen: die Initiative Soonwald.

Foto: Heinz Dörr

Die Bürgergruppe „Initiative Soonwald“
Thomas Hauschild war als Europaethnologe wesentlich an der Formulierung unserer ersten Satzung beteiligt. Vor allem die grundsatzgebende Präambel bewährte sich mit ihrer Strahlkraft 33 lange Jahre: 

Im Europa der Regionen haben die wenigen verbliebenen Naturräume zentrale Bedeutung.
Der Soonwald, eines der großen zusammenhängenden Waldgebiete Deutschlands, ist ein solcher
Naturraum besonderer Qualität, den es unter allen Umständen, zu erhalten und fördern gilt.
Diesem Ziel hat sich die INITIATIVE SOONWALD verschrieben.

Es entbehrt für mich nicht einer gewissen Bitternis, dass ein neuer Vorstand der „Initiative Soonwald e.V.“ 2026, nahezu zeitgleich zu seinem Tod, unsere Satzung und die bewährte Präambel verändert hat.
Im Vergleich beider Satzungen zeigt sich der veränderte Zeitgeist.