Lieblingsplatz im Verborgenen

Die Schinderhanneshöhle

Kinder lieben Räubergeschichten. Meist sind die Schurken gar nicht richtig böse, sondern haben ein großes Herz. Sie leben frei im Wald, tricksen reiche Leute oder Polizisten aus und setzen sich für die Gerechtigkeit ein. Auch der Soonwald hat seinen wilden Räuber, Johannes Bückler, den „Schinderhannes“. Doch der Schinderhannes ist eine umstrittene Figur, da er mit seiner Bande tatsächlich ein Gewaltverbrecher war. Ähnlich der Mafia betrieb er Schutzgeld-Erpressung mit Freibriefen, gekennzeichnet mit seiner Marke „Johannes durch den Wald“. Aber nicht nur Kinder wünschen sich einen „guten Räuber“, der reiche Adlige beraubt, um die Beute an die Armen zu verteilen. Also erfanden die Soonwälder fantasievolle Sagen um „ihren“ Schinderhannes mit einem Kern Wahrheit. So entstanden lustige Erzählungen von einem gewitzten Bandenchef, der die „Geldsäcke“ und andere Böse zum Narren hält. Das Erfolgsrezept funktioniert bis heute. Man denke nur an die mehr oder weniger gelungenen Marketingideen für Schinderhannes-Brot, Schinderhannes-Gin, Schinderhannes-Gulasch und selbst Schinderhannes-Pizza ist im Angebot. Ziemlich abstrus, wenn man bedenkt, dass um 1800, zu Lebzeiten von Schinderhannes, Pizza wohl noch nicht so populär war, eher Dampfnudeln oder Gänsekeulen… 

Ihre Beute versteckte die Bande tatsächlich an geheimen Stellen. Eine davon soll die sogenannte „Schinderhanneshöhle“ gewesen sein. Das macht diesen Ort zu einem perfekten Ausflugsziel mit Nervenkitzel unter einem schattenspendenden Blätterdach. 

Gehe einmal im Jahr irgendwohin,
wo du noch nie warst.

Dalai Lama

Offline im Grünen

Wenn man dieses legendäre Versteck vor Ort besichtigen möchte, wird es schwierig. Da muss man sich schon ein wenig auskennen. Hat man es mit unserer Wegbeschreibung (siehe unten) tatsächlich geschafft dorthin zu kommen, erwarten die neugierigen Besucher weitere Rätsel. Die sogenannte „Räuber-Höhle“ entpuppt sich als unscheinbares Loch in einer hochaufragenden Felswand, in der kaum ein ausgewachsener Mensch Platz findet; geschweige denn eine ganze Männer-Bande mitsamt Diebesgut. Könnte es sein, dass es sich gar nicht um einen Verbrecher-Schlupfwinkel handelt, sondern auch um einen Versuchsstollen auf der Suche nach Schiefer, einen sogenannten „Mutungsstollen“? Ob Dichtung oder Wahrheit, dieser Ort bietet für Kinder eine fehlerfreie Szenerie, um Räuber und Gendarm zu spielen. Es gibt eine steile Felswand zum Klettern und Rutschen, einen Bach mit jeder Menge Wackersteine zum Stauen und Türme bauen, Baumstämme zum Balancieren und eine verwunschene Wiese. Das alles braucht eine erwachsene Aufsicht. Dann gibt es keinen besseren Ort, um vergnügt, ohne digitales Spielzeug, „offline“, eine gute Zeit zu haben. Kinder, die hier mal einen Tag verbracht haben, werden zu Wiederholungstätern.  Getränke, Proviant und vielleicht auch eine Stirnlampe für die Höhle nicht vergessen! 

So kommt man hin:

Von Bad Kreuznach aus fährt man am besten auf der B 41 bis zum Weinort Monzingen. Hier geht es rechts ab auf die L 229 in Richtung Langenthal. Dann fährt man weiter auf der K 17 zur Abzweigung in Richtung Waldfriede. Nach gut einem Kilometer finden sich auf der rechten Seite große Gebäude, das letzte davon ist das ehemalige Gasthaus „Hoxmühle“. Etwa 100 Meter oberhalb, nach einer Linkskurve, kann man am Straßenrand parken:

GPS Daten:
Längengrad:  7.570683
Breitengrad: 49.849200
Höhe: 305 m

Von da ab geht es zu Fuß weiter. Nach etwa 50 Metern rechts biegt ein Waldweg ab, hinab zu einem Bach. Von da an folgt man der Vitaltour „Willigisweg“.

Weiter geht es bachaufwärts an einem Seerosen-See vorbei durch einen verwunschenen Wald. Der Boden ist dicht bedeckt mit dem „Kleinen Immergrün“, „Vinca minor„, das im Frühsommer zauberhaft blau blüht. Man fragt sich, wie es wohl in solchen Mengen hierhergekommen sein mag. Tatsächlich ist es ein verwilderter „Auswanderer“ aus Gärten versunkener Zeiten. Forscher bezeichnen es daher als „Kulturrelikt“, weil es darauf hinweisen kann, dass sich an dieser Stelle mal Burgen mit Burggärten befunden haben. Es ist vielleicht ein „Burggartenflüchtling“. Weiter bachaufwärts erreicht man über eine Holzbrücke einen Rastplatz und die Schinderhanneshöhle

GPS-Koordinaten

  7.573808°

49.854445°

Buchempfehlungen zu diesen und weiteren Ausflügen:
„Auf den Spuren einer verborgenen Welt. Sagenhafter Soonwald“
Monika Kirschner, Timo Fülber
Rhein-Mosel-Verlag
ISBN 978-3-89801-092-4
(erhältlich über den Buchhandel oder bei:
Touristinformation Langenlonsheim-Stromberg
Binger Straße 3 a
55442 Stromberg
Tel: 06724/274
Mail: touristinfoLvg-ls.de)

„Burgen, Klöster und Sagen unserer Heimat
Ein Reiseführer durch die Geschichte und Region von Nahe, Rhein und Mosel“
von Heidrun Hahn
ISBN-Nr.: 978-3-86972-050-0
erhältlich in den Filialen der Sparkasse Rhein-Nahe