Koppenstein

Vom Glück, den Soonwald vor der Haustür zu haben


Insider-Tipps für Ausflüge der besonderen Art.

Tipp Nummer Zwei:


„Ein Besuch des „sagenhaften“ Koppenstein“

Geographische Lage: 49° 52′ 36,5″ N, 7° 29′ 21,4″ O

„Des Hunsrücks Wahrzeichen sollst du sein,
du grauer trotziger Koppenstein.“
Karl Röhrig, Hunsrücker Liederbuch

Unser zweiter Vorschlag ist gleichzeitig ein Versprechen. Ganz gleich, ob man sich allein, mit einem Partner, einer Gruppe von Freunden oder mit Kindern auf den Weg macht, ein Ausflug zum Aussichtsturm auf der Höhe bei Gemünden ist die perfekte Unternehmung für Soonwald-Einsteiger. Erfolg garantiert! Einfach zu finden, kurze Wanderstrecke mit leichtem Anstieg und dann auf dem Höhepunkt die Belohnung: ein Blick über unser Land, wie ihn sonst nur der Rotmilan hat.

Rätsel vom Anfang bis zum Ende
Die Anfänge der Burg Koppenstein in 550 Meter Höhe liegen genauso im Dunkel der Geschichte, wie ihr Ende als bewohnte Burg. Ehemals war die Anlage nur eine kleine Herrschaftsburg der niederadligen Familie von Koppenstein, einer Seitenlinie der Sponheimer. Hoch vom Berg aus sicherten sich die Grafen ihre Verbindung zwischen den Kreuznacher- und Moselbesitztümern.

Bruchstücke der Vergangenheit

Schriftliche Zeugnisse zu Berg und Burg Koppenstein existieren erst seit dem 12. Jahrhundert. Aber die kompakten Steinwälle, tiefen Gräben und verschütteten Mauerreste der Anlage deuten auf eine weit ältere, vielleicht keltische Besiedlung hin. Um 1330 hatte die Anlage eine Größe erreicht, die ihr sogar Stadtrechte sicherte. Die Blütezeit dauerte keine dreihundert Jahre. Im Dreißigjährigen Krieg, wurde die Burg verlassen und verfiel. Heute vermutet man, dass es der Mangel an Wasser war, der auf der Höhe über 550 Meter auf Dauer keine große Siedlung mehr zuließ. Doch bewiesen ist das nicht.

Grausige Geschichten und seltsame Spuren

Mehr als andere Wälder ist der Soonwald von den ungelösten Rätseln der Geschichte geprägt. Wanderer finden sich unmerklich in einem Flechtwerk von Zeiten und Mythen wieder, in dem nichts endgültig verloren scheint. Man bewegt sich wie in einem Wachtraum. An jeder Wegbiegung geben die Steine andere Rätsel auf. War das eine Tür, eine Fallgrube oder gar ein Verlies?

In der mittelalterlichen Ruine Koppenstein sind es vor allem zwei außergewöhnliche Frauen, die diesen Ort populär gemacht haben. Irmgard von Koppenstein war eine der ersten Bewohnerinnen der Burg. Sie lebte der Sage nach im späten Mittelalter. Die andere, Maria Margaretha Rosenstein, auch das „Koppensteiner Gretchen“ genannt, war die letzte Bewohnerin der Ruine. Sie verstarb vereinsamt in dem verfallenen Gemäuer im Jahre 1821. Überall die Jahrhunderte hinweg vereint die beiden Frauen eine tragische Lebensgeschichte und ihr Tod als Jungfrau. Hoch oben auf dem Bergfried kann man sich dem schaurigen Schicksal von Irmgard von Koppenstein noch heute nahe fühlen. In ihrer Jugend buhlten viel Ritter um ihre Liebe, doch sie war nur Gisbert von der Wildburg zugetan und ihm versprochen. Als jedoch ein wüster Ritter derer von Kallenfels sie dennoch heißblütig bedrängte, floh sie verzweifelt den Turm hinauf. „Wie ein gescheuchtes Reh flüchtete sie aus der Kemenate die Stiegen des Turmes hinauf. Schon hörte sie die Tritte des Gefürchteten hinter sich. Oben angekommen schwang sich Irmgard in ihrer Verzweiflung auf die Steinbrüstung des Bergfrieds. »Hinweg, Verruchter«, rief sie, »oder ich stürze mich hinab und sterbe so rein.«  …Schon stand er hinter ihr und wollte sie eben umfassen, als sie aufstöhnte: »Heilige Jungfrau, erbarm dich meiner!« Dann stürzte sie sich über die Brüstung in die Tiefe. Da stockte selbst dem Unhold das Blut in den Adern. Er beugte sich über die Mauer, das zerschmetterte Mädchen zwischen den Felsen suchend.“ (Nachzulesen in dem empfehlenswerten Soonwald-Buch: „Auf den Spuren einer verborgenen Welt“)

So kommt man hin:

Man startet die kleine Expedition am besten vom „Wanderparkplatz Koppenstein“ an der K 62 aus. Von dort aus führt ein leicht ansteigender Waldweg in gut einem Kilometer zur Burganlage. Die Strecke gehört zum erfolgreichen Premium Wanderweg „Soonwaldsteig“, dem „Weg der Stille“. Kurz vor der Anhöhe auf der rechten Seite erkennt man noch gut die Reste des mächtigen Burggrabens. Auch die ehemalige Zugbrücke, der nicht mehr vorhandenen Toranlage, lässt sich noch erahnen. Weiter geht es vorbei an einer Schutzhütte über eine alte Natursteintreppe zum ungewöhnlich fünfeckigen Burgfried. Rechts und links finden sich reichlich Bruchstücke anderer Zeiten und Realitäten, wie steile Felsstürze, Mauerreste mit seltsamen Zeichen und Quarzitbrocken. Es sind versteinerte Erinnerungen, die sich jenen mitteilen, die ihren stummen Code entziffern können.

Ziel erreicht: die Plattform

Auf der Höhe angekommen, muss der Bergfried bezwungen werden. Innen im Turm führt eine schmale Metalltreppe hinauf zur Aussichtsebene. Vorsicht: Kopf einziehen, bevor es auf die Plattform geht. Ein spektakulärer Rundumblick erlaubt eine freie Sicht auf nahezu alpine Quarzit-Felsformationen, den Quarzitsteinbruch Henau, über wellige Hunsrückhöhen, dem Idarkopf (746 m) und ins Nahe-Tal bis hin zum Donnersberg (687 m) im Nordpfälzer Bergland. Auf einem hohen Sockel, findet sich eine Art Kompassrose mit Himmelsrichtungen, Ortsnamen und Entfernungen, die bei der Orientierung hilft. Der Aufstieg lohnt sich besonders bei guter Sicht und bei einem Sonnenauf- oder -Untergang. Von hier oben kann man sich gut vorstellen, wie nicht nur der Schinderhannes, sondern andere gemeine Räuber, Grafen und Raubritter die Talwege unsicher machten und ihre Zölle einforderten. Der tragische Todessturz der Irmgard von Koppenstein und die Einsamkeit der Maria Margaretha Rosenstein machen diesen Ort endgültig zu einem Bühnenraum von Seelenschmerz und Tragik. Südlich unterhalb des Burgfrieds ruht der berühmte „Wackelstein“, ein riesiger Quarzitbrocken, der auf der schiefen Ebene seiner schmalen Unterlage im nächsten Moment in die Tiefe zu stürzen scheint:  ein eindruckvolles Monument der Kraft des perfekten Schwerpunkts und der Balance.

Unverzichtbar im Soonwald: das Proviant-Paket

Für diese und andere Streifzüge durch den Soonwald ist ein Rucksack mit Proviant-Paket und vor allem Trinkwasser unverzichtbar! Das nächste Gasthaus – selbst wenn es geöffnet ist – liegt weit entfernt. Dafür findet sich aber am Fuße der Ruine eine großräumige Holzhütte mit Feuerstelle. Kein schlechter Platz für ein Picknick bei einem Glas Nahewein. Streichhölzer nicht vergessen; Holz findet sich.

Wir sehen uns im Wald! Ihre Initiative Soonwald e.V.

Monika Kirschner